Wir schließen den Kreis

Umwelt

Die Baubranche entdeckt das Recycling für sich und eröffnet
damit neue Möglichkeiten der Rohstoffgewinnung.

Der Rohstoff
liegt auf der Straße

Wir leben auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen. Gleichzeitig sind in Deutschland und weltweit Sanierungen und sinnvolle Neubauten erforderlich. Ein Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Ressourcen so aufzubereiten, dass daraus neue Produkte geschaffen werden können. Dies kann ein Weg sein, wie wir der heute bestehenden Nachfrage gerecht werden und dabei den Bedarf künftiger Generationen berücksichtigen. Und den Rohstoff dazu? Den holen wir von der Straße.

Als Hersteller steht Rinn vor der spannenden Aufgabe, das nun umzusetzen. Eine zentrale Herausforderung ist es, die Qualität der Produkte zu bewahren, ohne mehr CO₂-intensive Bindemittel einzusetzen. Eine Frage hat unseren Geschäftsführer und Produktentwickler Hartmut Schramm lange beschäftigt: “Woher bekommen wir Recycling-Material in einer Qualität, von der wir überzeugt sind, dass sie unseren Ansprüchen gerecht wird? Im Jahresverlauf entstehen bei uns produktionsbedingte Betonabfälle. So erschien es uns naheliegend, zunächst unser eigenes Material als Rohstoff wieder zu verwenden, anstatt es zu deponieren oder im Straßenbau einer minderwertigen Nutzung zuzuführen. Auf diese Weise kommen wir unserem Ziel nahe, ein geschlossenes Kreislaufsystem aufzubauen".

Im Hochbau sind bereits erste Projekte mit Recyclingbeton erfolgreich durchgeführt worden. Solche Entwicklungen spornen das Unternehmen Rinn an. Denn was im Hochbau möglich ist, können wir bei unseren Pflastersteinen erst recht verwirklichen - obwohl der Anspruch durch die Belastung auf der Straße weitaus höher ist. So hat für das Bundesland Berlin der Senat mit der Verwaltungsvorschrift ‘Beschaffung und Umwelt’ ein Instrument geschaffen, um künftig bei öffentlichen Gebäuden sowohl die sortenreine Separierung von Beton beim Gebäuderückbau als auch den Einsatz von RC-Beton beim Neubau über ökologische Mindestkriterien verbindlich zu fordern. Politisch sind also die Weichen für eine Kreislaufwirtschaft im Bau gestellt.

Nach einigen Jahren der Forschung steht Rinn nicht mehr ganz am Anfang. Und doch sammelt das Unternehmen mit jedem Schritt wichtige Erfahrungen. Auf Nachfrage geht Herr Schramm näher auf den Entstehungsprozess ein und erzählt, wie der Pflasterstein neu gedacht wurde: “In 2015 haben wir mit einer einzigen Körnung begonnen. Das war allerdings nicht ausreichend. Deshalb haben wir dann das Verfahren verändert.” Und die nächste Herausforderung wartet schon.

“Nun prüfen wir, in welchen Bereichen RC-Material herkömmliche Primärressourcen technologisch und gestalterisch ersetzen kann, ohne dass es zu Qualitätseinbußen kommt.” Die vollständige Implementierung in den Markt bleibt also eine Herausforderung, die von den Ingenieuren von Rinn beherzt angegangen wird. Im Werk Steinbach ist der Recyclingsplitt mittlerweile zum festen Bestandteil des Rohstoffeinsatzes geworden. Zwischen 7 Prozent und 10 Prozent verarbeitet das Werk dort jährlich. Das Ziel ist es, den Recycling-Anteil insgesamt in den Produkten stetig zu steigern. "Aber eigentlich geht da noch mehr", sagt Schramm und grinst dabei wissend.

In den kommenden Jahren wollen sich die Ingenieure aus dem Team Neuentwicklung der Kompensation von Sand widmen. Zur Bewältigung dieser technologischen Neuheit ist einiges an Forschung notwendig. Herr Schramm hofft, dass dadurch Kenntnisse geschaffen werden, die in zehn Jahren auf der ganzen Welt ihre Wirkung zeigen könnten. “Das wichtigste dabei ist, dass die Produktqualität nicht beeinträchtigt wird. Dazu prüfen wir kontinuierlich die garantierte Lebensdauer von mindestens 50 Jahren und die Frost-Tausalz-Beständigkeit. Wir arbeiten mit der Materialprüfanstalt Weimar zusammen, die als externer Partner die herausragenden Produkteigenschaften des RC-Steins kontrolliert".

Nächste Schritte für den Markt

Unternehmensinterner Druck kommt aus der Abteilung Verkauf. Günter Laubinger, Verkaufsleiter für den Objektbereich, betont die Bedeutung des Recyclingsteins im Markt und treibt das Thema Nachhaltigkeit in der Bauindustrie gezielt voran. Das merkt auch Hartmut Schramm: ”Im öffentlichen Bereich steigt die Nachfrage. Mit unseren RC-Produkten können wir den Wunsch dieser Kundengruppe nach nachhaltigen Baustoffen decken".

Selbst die Kunden beteiligen sich bei der Entwicklung. Im Frühjahr 2017 beginnt ein Pilotprojekt zur Rücknahme der eigenen Betonsteine, die von der vorhergehenden Generation Rinn dort verlegt worden waren. “Da wissen wir was drin ist”, sagt Hartmut Schramm mit Zuversicht. Das Pilotprojekt ist der Beginn eines Rücknahmesystems, um aus alten Pflastersteinen neue zu machen. Der Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft ist von Seiten der Industrie also geebnet.

Recyclingsanteil:
Die neue Generation Betonstein